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Binance vs. FTX: Schaukampf der beiden führenden Krypto-Exchanges

8 Nov, 20224 min readOther
Binance vs. FTX: Schaukampf der beiden führenden Krypto-Exchanges

Der eine ist 30 Jahre alt, aus den USA und als Chef der zweit größten Krypto-Exchange der Welt zum Multimilliardär geworden. Der andere ist 45 Jahre alt, in China geboren und als Chef der größten Krypto-Exchange der Welt zum Multimilliardär. Und schon bisher vereinte Sam Bankman-Fried (SBF; CEO von FTX) und Changpeng „CZ“ Zhao (CZ; CEO von Binance) neben der Vorliebe für die Krypto-Welt ein Investment – nämlich als 2019 Binance in FTX investierte und somit dabei half, dass die junge, aufstrebende Krypto-Exchange viele andere im Trading-Volumen überholte und so auf Platz 2 (vor andere Größen wie Coinbase oder Kraken) wuchs.

Doch die einstige Gemeinsamkeit hat sich nich in Wohlgefallen aufgelöst. Denn mittlerweile droht CZ dem jüngeren, am Markt sehr aggressiven SBF öffentlich via Twitter, dessen Krypto-Exchange bzw. vielmehr dessen FTX-Token (FTT) abstürzen zu lassen. Aber der Reihe nach. Am Wochenende sind durch einen Coindesk-Bericht Zweifel an der Wertigkeit des FTX-Tokens aufgekommen. Diese Token werden prinzipiell als digitale Gutscheine gehandelt – sie gewähren FTX-Kund:innen Rabatte und Empfehlungsprovisionen. Der Preis von FTT wird in erster Linie durch die FTX-Tauschgebühren gestützt. Die FTX-Exchange setzt eigenen Angaben zufolge etwa ein Drittel ihrer Einnahmen dafür ein, die FTX-Token zurück zu kaufen – also dann, wenn die User Trades machen und diese mit Hilfe der Gutschein-Token billiger bekommen.

Fraglicher Wert des FTX-Token

Nun ist es so, dass FTT eine Marktkapitalisierung von knapp 3 Milliarden Euro hat. Doch durch den Coindesk-Bericht wurde klar, dass SBFs andere Firma, nämlich Alameda Research, mit Ende Juni Assets im Gegenwert von 14,6 Milliarden Dollar „under Management“ hatte – und davon 2,16 Milliarden in Form von FTT. Weitere Assets von Alameda Research sind vor allem Token von Projekten, zu denen SBF große Nähe hat – also etwa Solana (SOL) oder die dezentrale Exchange Serum (SRM). Dem gegenüber stehen 8 Milliarden Dollar an Verbindlichkeiten, meistens Darlehen an andere Firmen. Da fragen sich nun viele: Haben diese FTX-Token überhaupt einen Wert?

Nun wird SBF, der zentralen Figur von FTX und Alameda Research, vorgeworfen, ein Krypto-Flywheel („Schneeballsystem“) gebaut zu haben. Die Blogger von Dirty Bubble Media werfen SBF vor, dass es durch Wash-Trading zwischen Alameda und FTX zu Schein-Volumina im Handel gekommen sei, obwohl gar kein echter Wert dahinter stecke. Das könnte den Wert von FTX, das im vergangenen Jahr einen enormen Anstieg verzeichnet hat, künstlich erhöht haben. Diese Nachricht hat sogleich Unruhe in den Markt gebracht – der Preis von FTT gab am Wochenende auch gleich deutlich nach, von mehr als 26 Euro hinunter auf 22 Euro.

Binance will FTT loswerden

Dann meldete sich auch noch Binance-Chef CZ zu Wort. Denn Binance hatte ja wie beschrieben in FTX investiert, war dann aber auch 2021 wieder ausgestiegen – und hat dafür Token im Gegenwert von satten 2,1 Milliarden Dollar erhalten, und zwar FTT sowie BUSD. Nun, da die neuen Informationen über die Krypto-Bestände und die Verflechtung zwischen FTX und Alameda Research ans Tageslicht kamen, kündigte CZ an, die FTT loswerden zu wollen. „Aufgrund der jüngsten Enthüllungen haben wir beschlossen, alle noch in unseren Büchern befindlichen FTT zu liquidieren“, twitterte der Binance-Chef sehr bewusst öffentlich. Man hätte aber sehr lange die Token gehalten, und der Verkauf sei kein Angriff auf den aufstrebenden Konkurrenten. „Wir werden versuchen, dies so zu tun, dass die Auswirkungen auf den Markt möglichst gering sind. Aufgrund der Marktbedingungen und der begrenzten Liquidität erwarten wir, dass dies einige Monate in Anspruch nehmen wird.“

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SBF wiederum konterte auf CZs Ankündigung sogleich am Montag und wollte seine Anhänger:innenschaft vergewissern, dass das alles kein Problem sei. „Ein Konkurrent versucht, uns mit falschen Gerüchten zu verfolgen“, twitterte er. „FTX geht es gut. Die Vermögenswerte sind in Ordnung.“ Währenddessen meldete sich auch Alameda-CEO Caroline Ellison zu Wort und bot Binance an, die FTT-Token zu einem Preis von 22 Dollar zurückzukaufen. Das könnte dazu dienen, den Preis von FTT zu stabilisieren.

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Beide Krypto-Milliardäre, sowohl CZ als auch SBF, sind sich indessen sehr bewusst, dass ein neuerlicher Crash eines großen Krypto-Unternehmens schlecht für die eigene Industrie wäre. Deswegen schrieben dann beide auch schnell, das man an einer gesunden Zusammenarbeit interessiert wäre. „Binance fördert stets die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren der Branche. Spekulationen darüber, ob dies ein Schritt gegen einen Konkurrenten ist, sind nicht zutreffend“, so CZ. „Ich würde mich freuen, CZ, wenn wir gemeinsam für das Ökosystem arbeiten könnten“, so SBF. Nun bleibt abzuwarten, wie sich der FTT-Preis entwickeln wird und ob es zu Verwerfungen am Markt kommen könnte. Noch gibt es keine Anzeichen für einen groben Absturz.

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